Elevator Pitch9 Minuten Lesezeit

Elevator Pitch Muster: 5 Zeilen zum Ausfüllen, 3 davon für ein Jahr

Hier ist ein Elevator Pitch Muster mit fünf Zeilen, das du heute noch ausfüllen kannst. Zwei Zeilen tauschst du jede Woche aus, die anderen drei füllst du genau einmal und lässt sie dann ein ganzes Jahr lang stehen. Darunter steht, woher die Wörter für die Lücken kommen, wie das Muster ausgefüllt klingt und mit welchen zwei Tests du es prüfst.

Marcel Lindwurm
Marcel Lindwurm
Teilen LinkedIn WhatsApp X E-Mail
Auf einen Blick Muster fünf Zeilen, die du nur noch füllst
5Zeilenfeste Reihenfolge
3bleibenein ganzes Jahr
2wechselnjede Woche
Das Wichtigste in Kürze
  • Das Muster: fünf Zeilen in fester Reihenfolge, nämlich Einstieg, Auslöser-Satz, Fall, Suchauftrag und Anker. Es steht weiter unten zum Kopieren.
  • Was bleibt: Auslöser-Satz, Suchauftrag und Anker füllst du einmal und lässt sie ein Jahr lang stehen.
  • Was wechselt: Einstieg und Fall tauschst du jede Woche aus, damit die Runde etwas Neues hört.
  • Woher die Wörter kommen: aus dem Mund deiner Kunden und nie aus deinem Angebot.
  • Der Prüfstein: Jeden Satz, den ein Mitbewerber genauso sagen könnte, streichst du.

Ich habe über 250 Kurzvorstellungen in echten Unternehmerrunden mitgeschrieben, und 97 Prozent machen in den ersten acht Sekunden denselben Fehler: Sie fangen mit Name und Firma an. Die meisten Vorlagen im Netz bauen genau diesen Anfang ein. Das Muster hier fängt deshalb anders an, und dein Name kommt erst in der letzten Zeile.

Wie sieht ein Elevator Pitch Muster aus?

Ein Elevator Pitch Muster ist ein Lückentext, der dir die Reihenfolge abnimmt. Dieses hat fünf Zeilen: einen Einstieg ohne deinen Namen, den Satz deines Kunden, einen kurzen Fall mit Zahl, einen Suchauftrag mit fertigem Satz zum Weitersagen und am Ende deinen Namen mit einer Zeile, die hängen bleibt.

1 Einstieg: eine angefangene Szene, eine krumme Zahl oder ein Satz, den ein Kunde wörtlich gesagt hat. Noch nicht dein Name.

2 Den Satz höre ich am häufigsten, kurz bevor mich jemand braucht: „Satz deines Kunden, in seinen Worten“.

3 Wer es war. Was du gemacht hast. Welche Zahl herauskam. Was er wirklich gekauft hat: was sich in seinem Alltag geändert hat.

4 Wen kennt ihr, der etwas, das man sehen oder hören kann? Hört ihr das, sagt einfach: Ruf mal Vorname an, erster Schritt, der nichts kostet.

5 Ich bin Vorname, Beruf in drei Wörtern aus Ort. Letzte Zeile mit höchstens acht Wörtern.

Die festen Wörter in Zeile 2, 4 und 5 sind Absicht. Wer sie jede Woche gleich hört, weiß nach ein paar Treffen, dass jetzt der Satz kommt, auf den es ankommt. Das Muster passt in eine Minute, wenn du bei rund 150 Wörtern bleibst.

Was gehört in welche Zeile des Musters?

In die erste Zeile gehört eine Szene oder ein Kundenzitat, in die zweite der Satz, den dein Kunde sagt, kurz bevor er dich braucht. Die dritte erzählt einen Fall in zwei Sätzen, die vierte fragt nach Menschen, die man erkennt, und die fünfte bringt deinen Namen mit einem letzten kurzen Satz.

ZeileWas hineingehörtWie oft neu
1 Einstiegeine angefangene Szene, eine krumme Zahl oder ein wörtliches Zitat, noch ohne deinen Namenjede Woche
2 Auslöser-Satzder Satz deines Kunden, kurz bevor er dich brauchtein Jahr lang gleich
3 Fallwer es war, was du gemacht hast, welche Zahl herauskam, und was sich in seinem Alltag geändert hatjede Woche
4 Suchauftrag„Wen kennt ihr, der …“ mit etwas Sichtbarem, dazu der Satz zum Weitergeben und ein erster Schritt, der nichts kostetein Jahr lang gleich
5 AnkerVorname, Beruf in drei Wörtern, Ort und eine letzte Zeile mit höchstens acht Wörternein Jahr lang gleich

Die erste Zeile ist die einzige, die ganz leer ist. Dein Name fehlt dort mit Absicht, weil ohnehin jeder sieht, wer gerade aufgestanden ist, und weil die ersten acht Sekunden entscheiden, ob jemand zuhört. In der dritten Zeile lassen die meisten den Halbsatz „Was er wirklich gekauft hat“ weg. Gerade der macht aus einer Leistung einen Alltag, den die Runde sich vorstellen kann.

Nimm als Beispiel eine Unternehmensberaterin, nennen wir sie Claudia, ein gebautes Beispiel. In ihre dritte Zeile schreibt sie: „Ein Metallbauer mit zwölf Leuten. Wir haben drei Wochen lang jeden Auftrag nachgerechnet, und ein Drittel davon hat ihn Geld gekostet.“ Damit sind alle drei kleinen Lücken gefüllt, und es sind gerade mal zwei Sätze. Für mehr ist in einer Minute auch kein Platz.

Warum hilft ein Muster bei der Kurzvorstellung?

Ein Muster hilft, weil du dann nicht jede Woche bei null anfängst. Am Abend vor dem Treffen füllst du nur noch zwei Lücken, statt dir eine ganze Minute auszudenken. Und weil drei Zeilen gleich bleiben, hört die Runde Woche für Woche dieselben Sätze und kann sie sich irgendwann merken.

Du kennst vielleicht den Abend vor dem Treffen. Es ist halb elf, das Tablet liegt auf den Knien, und du fragst dich, was du diesmal erzählst. Ohne Muster schreibst du dann eine neue Minute, die nach dem klingt, was dir gerade einfällt. Mit Muster suchst du nur eine Szene aus der Woche und einen Fall mit einer Zahl.

Die meisten Vorlagen, die du im Netz findest, fangen trotzdem mit dir an. Die Vorlage bei GoDaddy beginnt mit „Hallo, mein Name ist“, die von Coursera mit der Frage „Wer bin ich?“. Für ein Gespräch mit jemandem, der selbst entscheidet, ist das in Ordnung. In einer Runde sitzen dir aber die Menschen gegenüber, die dich weitergeben sollen, und für die ist dein Name der unwichtigste Teil der ersten acht Sekunden.

Ein Muster nimmt dir nur die Reihenfolge ab. Die Wörter für die Lücken holst du bei deinen Kunden ab.

Am Schreibtisch kannst du sie dir nicht ausdenken.

Woher kommen die Wörter für die Lücken?

Die Wörter für Auslöser-Satz, Suchauftrag und Anker kommen aus dem Mund deiner Kunden und nie aus deinem Angebot. Geh deine letzten fünf Kunden durch und schreib auf, was sie im ersten Gespräch wörtlich gesagt haben, bevor du irgendetwas erklärt hast. Darin steckt fast immer der Satz für Zeile zwei.

So läuft es meistens: Jemand nimmt ein Muster, setzt sich abends hin und schreibt in die zweite Zeile „Wir suchen einen kompetenten Partner für unsere IT-Infrastruktur“. Das klingt ordentlich, aber so einen Satz hat noch nie ein Mensch gesagt, und deshalb hört ihn auch keiner aus der Runde bei seinen Bekannten. Der Satz, den es wirklich gibt, heißt: „Der Rechner in der Buchhaltung braucht morgens acht Minuten, bis er da ist.“

LückeSo klingt AngebotSo klingt der Kunde
Auslöser-Satz„Wir suchen einen kompetenten Partner für unsere IT-Infrastruktur.“„Der Rechner in der Buchhaltung braucht morgens acht Minuten, bis er da ist.“
Suchauftrag„Wer braucht eine gute IT-Betreuung?“„Wen kennt ihr, in dessen Büro morgens erst mal alle auf ihre Rechner warten?“
Anker„Schnell und zuverlässig.“„Um acht läuft alles.“

Für den Auslöser-Satz gibt es einen schnellen Handgriff, den Theken-Test. Du fragst dich, ob du den Satz zufällig hören könntest, an der Theke, im Wartezimmer oder in der Schlange beim Bäcker. Er darf dabei kein Geständnis sein, weil niemand laut sagt, was ihm peinlich ist. „Ohne mich läuft hier gar nichts“ sagt fast jeder Inhaber, „Ich bin als Chef überfordert“ sagt keiner. Mehr solcher Sätze aus fünf Branchen stehen im Beitrag Elevator Pitch Beispielsätze.

Wie formuliert man den Suchauftrag im Muster?

Ein guter Suchauftrag verlangt von deinen Zuhörern eine Erinnerung und kein Urteil. „Wer braucht eine gute IT-Betreuung?“ müssten sie erst beurteilen, und das trauen sie sich nicht zu. „Wen kennt ihr, in dessen Büro morgens erst mal alle auf ihre Rechner warten?“ beantworten sie aus dem Gedächtnis, und Erinnerungen geben Menschen gern her.

Deshalb besteht Zeile vier aus zwei Sätzen. Der erste fragt nach etwas, das man sehen oder hören kann. Der zweite gibt den Leuten die Worte mit, mit denen sie dich weitergeben: „Hört ihr das, sagt einfach: Ruf mal Jens an, der schaut sich das eine Stunde an, und dann weißt du, woran es liegt.“ Der erste Schritt kostet nichts, und genau deshalb fällt es leicht, ihn einem Bekannten vorzuschlagen.

Warum bleiben drei Zeilen ein Jahr lang gleich?

Drei Zeilen bleiben ein Jahr lang gleich, weil sich eine Runde einen Satz nur merkt, wenn sie ihn Woche für Woche gleich hört. Auslöser-Satz, Suchauftrag und Anker sollen bei den anderen hängen bleiben. Einstieg und Fall dagegen wechseln, weil die Minute sonst nach einer Ansage vom Band klingt.

Ich habe an zwei Mittwochen hintereinander mitgeschrieben, und 19 von 25 Unternehmern haben ihren Pitch Wort für Wort wiederholt. Das ist das andere Extrem: Alles bleibt gleich, und deshalb hört nach ein paar Wochen niemand mehr hin. Das Muster trennt beides. Was gemerkt werden soll, bleibt stehen, und was neugierig machen soll, wechselt.

Mir selbst kommt das entgegen. Ich bin ehrlich gesagt einer, der sich ausruht, wenn es gut läuft, und deshalb helfen mir Sachen, die ich einmal festlege und dann nicht jede Woche neu entscheide. Meine eigene Minute in der Runde hört jedes Mal mit demselben Satz auf: „Empfehlungen sind kein Glück. Sie sind ein System.“

Wie klingt das Muster ausgefüllt?

Ausgefüllt klingt das Muster wie eine kleine Geschichte und nicht wie eine Vorstellung. Jens betreut die IT kleiner Büros. Er ist ein gebautes Beispiel und keine echte Person. So klingt seine Minute, wenn er alle fünf Zeilen gefüllt hat, mit einer Steuerkanzlei als Fall der Woche.

1 Einstieg

„Montag, zehn vor acht. Eine Steuerkanzlei, fünf Leute, und keiner kommt ins Programm.

2 Auslöser-Satz

Den Satz höre ich am häufigsten, kurz bevor mich jemand anruft: Der Rechner in der Buchhaltung braucht morgens acht Minuten, bis er da ist.

3 Fall

Bei der Kanzlei war es ein alter Server ohne Wartung. Wir haben am Freitagabend umgestellt, am Montag lief alles. Seitdem fangen fünf Leute um acht an zu arbeiten und nicht um Viertel nach.

4 Suchauftrag

Wen kennt ihr, in dessen Büro morgens erst mal alle auf ihre Rechner warten? Hört ihr das, sagt einfach: Ruf mal den Jens an, der schaut sich das eine Stunde an, und dann weißt du, woran es liegt.

5 Anker

Ich bin Jens, IT für kleine Büros. Um acht läuft alles.“

Das sind 119 Wörter, also rund 50 Sekunden. Die Zahlen im Fall sind ein Beispiel.

Server, Wartung und Netzwerk tauchen nur im Fall auf, als Teil einer Geschichte. Was die Runde mitnimmt, ist der Satz mit den acht Minuten und das Bild von fünf Leuten, die um Viertel nach acht immer noch warten. Nächste Woche erzählt Jens einen anderen Fall, und die Zeilen 2, 4 und 5 hört die Runde wieder genau so.

Wie prüfst du dein ausgefülltes Muster?

Du prüfst dein ausgefülltes Muster mit zwei Tests. Beim Mitbewerber-Test streichst du jeden Satz, den ein Mitbewerber genauso sagen könnte, ohne zu lügen. Beim Theken-Test prüfst du, ob dein Auslöser-Satz zufällig im Alltag fallen kann. Danach zählst du die Wörter und bleibst bei höchstens 150 für eine Minute.

  1. Mitbewerber-Test: Geh das Muster Satz für Satz durch. Könnte ein Mitbewerber den Satz sagen, ohne zu lügen, streichst du ihn. „Schnell und zuverlässig“ kann jeder sagen, „Um acht läuft alles“ gehört nur Jens.
  2. Theken-Test: Könntest du deinen Auslöser-Satz an der Theke, im Wartezimmer oder beim Bäcker zufällig hören? Wenn nicht, hast du ihn am Schreibtisch erfunden.
  3. Wörter zählen: Bei ruhigem Tempo sind 150 Wörter eine Minute, 110 Wörter rund 45 Sekunden. Was darüber liegt, muss raus, meistens aus dem Fall.

Mehr zur Länge und zu den einzelnen Bausteinen steht im Beitrag Was ist ein Elevator Pitch?, und wie man eine ganze Minute Satz für Satz umbaut, zeigt Elevator Pitch Beispiel: schlecht vs. gut.

Wie füllst du das Muster in zehn Minuten aus?

In zehn Minuten schaffst du die wichtigste Zeile, nämlich den Auslöser-Satz. Kopier das Muster, schreib drei Sätze auf, die Kunden im ersten Gespräch wörtlich gesagt haben, und nimm den, den du auch an der Theke hören könntest. Die übrigen Zeilen füllst du an einem anderen Abend.

  1. Kopier das Muster oben in deine Notizen.
  2. Schreib drei Kundensätze auf, die im ersten Gespräch gefallen sind, bevor du etwas erklärt hast.
  3. Streich jeden Satz, der ein Geständnis ist oder nach deinem Angebot klingt.
  4. Nimm den Satz, der den Theken-Test besteht, und setz ihn in Zeile zwei.
  5. Lass die Zeile stehen. Ab jetzt änderst du sie ein Jahr lang nicht mehr.

Das Video zu diesem Beitrag

Im Video gehe ich das Muster Zeile für Zeile durch und lese den ausgefüllten Pitch von Jens einmal ganz vor.

Häufige Fragen zum Elevator Pitch Muster

Was ist ein Elevator Pitch Muster?

Ein Elevator Pitch Muster ist ein Lückentext für eine Kurzvorstellung von 30 bis 60 Sekunden. Es legt die Reihenfolge fest und lässt Lücken für das, was nur du weißt. Dieses Muster hat fünf Zeilen: Einstieg, Auslöser-Satz, Fall, Suchauftrag und Anker.

Warum steht mein Name nicht am Anfang?

Weil ohnehin jeder sieht, wer gerade spricht, und weil die ersten acht Sekunden entscheiden, ob jemand zuhört. Von über 250 mitgeschriebenen Kurzvorstellungen fingen 97 Prozent mit Name und Firma an. Wer anders anfängt, fällt auf. Der Name kommt in der letzten Zeile, zusammen mit dem Satz, der hängen bleiben soll.

Welche Zeilen ändere ich jede Woche?

Nur Zeile eins, den Einstieg, und Zeile drei, den Fall. Auslöser-Satz, Suchauftrag und Anker bleiben ein Jahr lang Wort für Wort gleich, damit die Runde sie sich merken kann.

Wie lang darf das ausgefüllte Muster sein?

Für eine Minute höchstens 150 Wörter, für 45 Sekunden rund 110 und für 30 Sekunden rund 75. Bei ruhigem Tempo spricht man gut zwei Wörter pro Sekunde. Wird es zu lang, kürzt du zuerst den Fall.

Was mache ich, wenn mir kein Auslöser-Satz einfällt?

Denk nicht über dein Angebot nach, sondern über deine letzten fünf Kunden. Schreib auf, was jeder von ihnen im ersten Gespräch wörtlich gesagt hat, bevor du etwas erklärt hast. Meist klingen zwei davon fast gleich, und genau dieser Satz ist dein Auslöser-Satz.

Kann ich das Muster auch außerhalb einer Unternehmerrunde nutzen?

Ja, überall dort, wo dich andere weitergeben sollen, etwa bei Kooperationspartnern oder im Verband. Im Vorstellungsgespräch oder vor einem Investor entscheidet dein Gegenüber selbst. Dort gehören Name und Werdegang nach vorn, und vom Muster übernimmst du am besten den Fall mit einer Zahl.

Quellen

Hat dir der Beitrag geholfen? Dann gib ihn weiter.

Teilen LinkedIn WhatsApp X E-Mail

Wie steht dein ausgefülltes Muster da?

Füg deinen ausgefüllten Text ein oder sprich ihn ein. Der Pitch-Check zeigt dir, welche der fünf Zeilen tragen und welche noch nach Angebot klingen. Die Auswertung bekommst du als PDF.

Meinen Pitch prüfen lassen Kostenlos und ohne Konto.
Marcel Lindwurm
Über den Autor Marcel Lindwurm

Marcel arbeitet seit über 20 Jahren mit Selbstständigen und sitzt selbst jede Woche in einer Unternehmerrunde. In den ersten beiden Jahren kamen dort ein bis zwei Empfehlungen im Monat, in den letzten zwölf Monaten waren es 103. Aus dem, was er dabei geändert hat, ist der Empfehlungsmotor entstanden.

Empfehlungen sind kein Glück. Sie sind ein System.