Was ein Suchauftrag leisten soll
Ein Suchauftrag ist kein Wunsch. Er ist eine Aufgabe, die du deiner Runde gibst. Und wie jede Aufgabe gilt: Je klarer sie ist, desto wahrscheinlicher wird sie erfüllt.
Dein Ziel: ein Mitglied soll nach dem Treffen durch seinen Alltag gehen und plötzlich denken: „Das passt." Dafür braucht er ein Bild — kein Konzept.
Der häufigste Fehler
„Ich suche alle, die eine Klimaanlage brauchen."
Das klingt vernünftig. Aber dein Mitglied kommt nachmittags ins Büro und sitzt gegenüber 40 Leuten. Wer davon braucht eine Klimaanlage? Er weiß es nicht. Er fragt nicht. Die Empfehlung bleibt aus.
Was stattdessen funktioniert: ein konkretes Bild von einer Person in einer konkreten Situation.
„Wen kennt ihr, der ein Ladenlokal gemietet hat und noch keine Klimaanlage drin hat? Wenn ihr das hört: Ruf mal Markus an."
Jetzt kann er es sehen. Jetzt kann er suchen.
Die drei Typen von Suchaufträgen
Personentyp + Trigger
Du gibst ein Bild einer Person und einem Moment, den man hören oder sehen kann.
Beispiel: „Wen kennt ihr, der gerade seinen ersten Mitarbeiter eingestellt hat und noch keine Lohnbuchhaltung hat?"
Branchenfilter + geografisch
Nützlich wenn du eine spezifische Zielgruppe in einer Region hast.
Beispiel: „Ich suche Handwerksbetriebe im Raum Stuttgart mit 5–15 Mitarbeitern, die noch kein Zeiterfassungssystem haben."
Konkrete Person oder Firma — die schärfste Form
Nur möglich mit Vorarbeit. Wenn du weißt wen du willst.
Beispiel: „Ich möchte mit dem Einkaufsleiter von Müller Metallverarbeitung in Esslingen sprechen. Kennt jemand jemanden dort?"
20 Beispiele nach Branche
- Steuerberatung: „Wen kennt ihr, der dieses Jahr eine GmbH gegründet hat und noch keinen Steuerberater hat?"
- IT-Support: „Wen kennt ihr im Handwerk, bei dem der Server im Keller steht und der IT-Dienstleister drei Wochen Reaktionszeit hat?"
- Gebäudereinigung: „Wen kennt ihr, der ein neues Büro bezogen hat und noch keinen Reinigungsvertrag abgeschlossen hat?"
- Rechtsanwalt (Arbeitsrecht): „Wen kennt ihr, der gerade seinen ersten Mitarbeiter gekündigt hat und sich fragt, ob das so in Ordnung war?"
- Physiotherapeut: „Wen kennt ihr, der sagt: Ich komme seit Jahren mit Rückenproblemen nicht vorwärts?"
- Versicherungsmakler: „Wen kennt ihr, der ein Haus oder eine Eigentumswohnung geerbt hat und sich fragt, was damit versicherungstechnisch zu tun ist?"
- Webdesigner: „Wen kennt ihr im Handwerk, der noch eine 2019er Website hat und sagt, da muss mal was passieren?"
- Unternehmensberater: „Wen kennt ihr, der ein Familienunternehmen übernehmen soll und nicht weiß wo er anfangen soll?"
- Personalvermittlung: „Wen kennt ihr, der seit drei Monaten einen Facharbeiter sucht und über Indeed nichts findet?"
- Fotograf (Business): „Wen kennt ihr, der ein LinkedIn-Profil hat aber das Foto noch aus dem Handy von 2020?"
- Finanzberater: „Wen kennt ihr, der in diesem Jahr 40 wird und sagt: Ich hab noch gar keine Altersvorsorge durchgerechnet?"
- Umzugsunternehmen: „Wen kennt ihr, der in den nächsten 3 Monaten umzieht und noch kein Unternehmen beauftragt hat?"
- Übersetzer (technisch): „Wen kennt ihr im Maschinenbau, der Betriebsanleitungen ins Englische übersetzen muss?"
- Raumausstatter: „Wen kennt ihr, der ein neues Büro eröffnet und noch keine Möbel geordert hat?"
- Grafikdesigner: „Wen kennt ihr, der einen neuen Flyer braucht, aber jemand aus der Familie hat ihn das letzte Mal gemacht?"
- Hausverwaltung: „Wen kennt ihr, der eine Immobilie vermietet und sagt, er hat keine Lust mehr auf das Vermieterdasein?"
- Energie-Berater: „Wen kennt ihr, der ein Haus hat und noch keine PV-Anlage, aber sagt: eigentlich wäre das mal interessant?"
- Catering: „Wen kennt ihr, der dieses Jahr eine Firmenveranstaltung plant mit 50+ Personen?"
- Druckerei: „Wen kennt ihr im Einzelhandel, der gerade eine neue Produktlinie launcht und noch keine Druckmedien hat?"
- Unternehmenscoach: „Wen kennt ihr, der ein Team von 5–15 Leuten führt und sagt: Die ziehen nicht am gleichen Strang?"
So formulierst du deinen eigenen — Schritt für Schritt
Vier Fragen führen zum fertigen Suchauftrag:
Wer ist dein bester Kunde?
Branche, Größe, Situation. Nicht eine abstrakte Zielgruppe — ein konkreter Mensch, den du dir vorstellen kannst.
Was hat er getan oder gesagt, kurz bevor er dich angerufen hat?
Das ist der Trigger. Der Moment, in dem dein Kunde entschieden hat: ich muss etwas tun.
Kann ein Außenstehender diese Situation erkennen?
Sehen, hören oder hören worüber jemand klagt? Wenn die Antwort nein ist, ist der Suchauftrag noch zu abstrakt.
Was soll die Person tun, wenn sie diesen Trigger hört?
Einzige Antwort: Ruf [Vorname] an. Nicht: gib die Visitenkarte weiter, nicht: schick eine Mail.
„Wen kennt ihr, [Situation aus Frage 2–3]? Wenn ihr das hört, sagt einfach: Ruf mal [Vorname] an."
FAQ
Was ist ein Suchauftrag?
Der Suchauftrag ist die konkrete Aufgabe, die du deiner Runde mitgibst: wen sollen sie für dich suchen? Nicht: alle, die X brauchen. Sondern: diese Person in dieser Situation.
Wie lang darf ein Suchauftrag sein?
Ein Satz, maximal zwei. Alles darüber wird nicht behalten. Der Satz muss ohne Nachdenken weiterzugeben sein.
Wie oft sollte ich meinen Suchauftrag wechseln?
Erst wechseln, wenn er nicht funktioniert. Wer alle vier Wochen einen neuen Suchauftrag formuliert, gibt seiner Runde keine Chance, ihn einzusetzen. Mindestens 3 Monate mit demselben Satz.
Darf ich mehrere Suchaufträge in einem Pitch nennen?
Nein. Ein Suchauftrag pro Pitch. Zwei ergeben zusammen null — weil sich keiner merkt, was er suchen soll.
Was ist der Unterschied zwischen Suchauftrag und Auslöser-Satz?
Der Auslöser-Satz ist das Erkennungssignal: der Satz, den ein potenzieller Kunde sagt, bevor er dich braucht. Der Suchauftrag ist die Aufgabe: wen soll die Runde für dich finden? Beide zusammen funktionieren deutlich besser als einer allein.
Funktioniert das in jedem Netzwerk?
Ja. Die Logik gilt in jedem Netzwerk: Je konkreter die Aufgabe, desto wahrscheinlicher der Erfolg. Das gilt für Empfehlungsnetzwerke wie BNI® genauso wie für einen Unternehmerstammtisch oder einen Verband.
Wie gut ist dein Pitch wirklich?
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Pitch kostenlos prüfenÜber den Autor. Marcel Lindwurm arbeitet seit über 20 Jahren mit Selbstständigen und sitzt selbst jede Woche in einer Unternehmerrunde. In den ersten beiden Jahren kamen dort ein bis zwei Empfehlungen im Monat, in den letzten zwölf Monaten waren es 103. Aus dem, was er dabei geändert hat, ist der Empfehlungsmotor entstanden.
Empfehlungen sind kein Glück. Sie sind ein System.